Zur Idee des Vereins
Der Förderverein für Goetheanistische Farbenlehre wurde mit dem Ziel gegründet, den Farbphänomenen nachzugehen und das wahre Wesen der Farben und ihre Bedeutung zu erforschen. Der Verein möchte deshalb gewillten Menschen die Gelegenheit geben, diese Zielsetzungen in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit auf geistiger, sozialer und materieller Ebene zu verfolgen und umzusetzen.
Als gemeinsame Arbeitsgrundlage soll dabei in erster Linie die von Rudolf Steiner kommentierte Goethesche Farbenlehre dienen. Sie behandelt in umfassender und vorbildlicher Weise das Gebiet der Farben und deren Entstehung aus Licht und Finsternis und bringt durch sich selbst den Beweis, dass die Newtonsche Farbenlehre, die in der heutigen Wissenschaft anerkannt und gelehrt wird, auf irrtümlichen Erkenntnissen beruht.
Zur Erarbeitung von Goethes Farbenlehre sollen Vorträge, Seminare und Arbeitskreise angeboten bzw. veranstaltet werden, ein bis zwei gemeinsame, themenbezogene Vereinstage pro Jahr stattfinden, sowie die Förderung und Herausgabe von Publikationen unterstützt werden. Besonderes Interesse gilt dem Ausbau und der Erhaltung eines Farbenstudios als Zentrum für alle Vereinstätigkeit und zur Durchführung von Forschungsaufgaben.
Dass geforscht und neu beobachtet werden muss, ergibt sich als Notwendigkeit aus zwei Gründen. Denn zum Einen sind seit dem Erscheinen von Goethes Farbenlehre annährend 200 Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden neue Phänomene bekannt und es stehen uns heute neue technische Geräte und Hilfsmittel zur Verfügung, die Goethe nicht besass. Dadurch ergeben sich auch neue Möglichkeiten des alltäglichen Beobachtens wie des wissenschaftlichen Forschens. Zum Anderen aber soll der heute verbreiteten Newtonschen Farbenlehre eine den Phänomenen gerecht werdende Farbenlehre gegenübergestellt werden,
Wie aber, in welcher Weise, könnte man vorgehen, beim sogenannten Forschen? Wie hat Goethe geforscht? Lesen wir seine Farbenlehre. Sie gibt uns die Antwort, denn sie ist eine reine Ausgestaltung seiner Methode, die in Folgendem umrissen ist:
Den Ausgangspunkt jeglicher Betrachtung nimmt grundsätzlich ein sinnlich anschaubares Phänomen. Die sich daran anschliessende Begriffsbildung wird sich stets an das beobachtbare Phänomen halten. Abstraktionen und Theorien, die dem Lebendigen fremd sind, wären dabei nur hinderlich. Durch das Betrachten weiterer bekannter und verwandter Phänomene entsteht ein Kreis von Phänomenen. Innerhalb dieser Vielzahl muss sich darin die allen Phänomenen zugrundeliegende gemeinsame Gesetzmässigkeit finden lassen. Dazu ist es nötig, dass die für das Zustandekommen des Kreises von Phänomenen notwendigen bzw. wesentlichen Grundbedingungen erkannt und von den unwesentlichen, die bloss eine geringe Modifikation des Phänomens bewirken, unterschieden werden. Das Verhältnis dieser notwendigen Bedingungen für das Zustandekommen der Phänomene ist die begriffliche Seite eines Urphänomens, das jetzt aber zugleich sinnlich anschaubar ist.
Dieses Vorgehen entspricht der goetheanistischen Erkenntnismethode. Goethes Farbenlehre ist prädestiniert, diese Erkenntnishaltung aus einfachen Experimenten heraus zu erüben. Ihre Anwendung würde eine humane, wissenschaftliche Weltbetrachtung, wie sie die Welt dringend nötig hat, zur Entfaltung bringen.
Die Rechtfertigung für seine Art, die Natur anzuschauen, suchte Goethe bei zeitgenössischen Philosophen, wie z.B. Spinoza, Fichte, Schelling, Hegel, vergeblich. Lange nach Goethes Tod erst schuf Rudolf Steiner in seinen philosophischen Schriften (GAI-4) die erkenntnistheoretische Grundlage des Goetheanismus. Dadurch führte er den Goetheanismus in die Wissenschaft ein und zeigte darüber hinaus, dass die zuvor skizzierte goetheanistische Methode die wahre, sachlich richtige Methode für jegliches naturwissenschaftliche Arbeiten ist.
In Vortragszyklen und in vielen Einzelvorträgen behandelte Rudolf Steiner immer wieder Goethes Farbenlehre und zeigte deren eminenten Wert auf. Darin wies er den Weg, der vom Goetheanismus in die Sphäre der Geisteswissenschaft (Anthroposophie) hineinführt. Der Goetheanismus erfährt auf diese Weise eine Erweiterung und wird zu einem Teil der geisteswissenschaftlichen Methode, die wir in Zukunft ausbilden und anwenden müssen, wollen wir uns zu einer wirklichen Anschauung der lebendigen Farbwesen hinentwickeln.
Die Gründer
Heinrich 0.Proskauer
Hans-Georg Hetzel
Peter Stebbing
Robert Brunner
