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VI. Beschreibung der Tafeln

Da es möglich wäre, dass ungeachtet aller angewendeten Mühe und beobachtenden Genauigkeit eine falsche Nummer auf eine Karte getragen würde, so füge ich hier nochmals eine Beschreibung der Tafeln hinzu und ersuche jeden Beobachter, sie hiernach zu revidieren.

Tafeln

Nr. 1. Schwarze wurmförmige Züge auf weißem Grunde.
Nr. 2. Schwarze und weiße kleine Vierecke. Wird horizontal und diagonal vor das Prisma gehalten.
Nr. 3. Ein weißer Stab auf schwarzem Grunde.
Nr. 4. Ein schwarzer Stab auf weißem Grunde. Diese beiden Nummern braucht der Beobachter sowohl horizontal als vertikal.
Nr. 5. Ein Regenbogenstreif auf schwarzem Grunde.
Nr. 6. Ein umgewendeter Regenbogenstreif auf weißem Grunde. Diese beiden Tafeln legt man horizontal vor sich, und zwar so, dass der Rücken des Bogens aufwärts gekehrt ist.
Nr. 7. Eine halb schwarz, halb weiße Tafel. Der Beobachter bedient sich derselben, dass bald das Schwarze, bald das Weiße unten steht.
Nr. 8. Eine halb schwarz, halb weiße Tafel mit einem rot und gelben Streif. Wir legen sie dergestalt vor uns, dass sich das Schwarze oben befindet.
Nr. 9. Eine halb schwarz, halb weiße Tafel mit einem blauen und violetten Streif. Wir legen sie dergestalt vor uns, dass das Schwarze sich unten befindet.
Nr. 10. Zwei schwarze und zwei weiße längliche Vierecke übers Kreuz gestellt. Wir können sie horizontal, perpendikular, diagonal vors Prisma nehmen.
Nr. 11. Zwei schwarze und weiße längliche Vierecke übers Kreuz gestellt mit einem roten, gelben, blauen und violetten Rande. Wir legen sie dergestalt vor uns, dass der rote und gelbe Rand unter dem Schwarzen, der blaue und violette über dem Schwarzen sich befindet.
Nr. 12. Ein weißer Stab auf schwarzem Grunde mit farbigen Enden.Wir halten ihn perpendikular vor uns, so dass der rote und gelbe Rand oben, der blaue und violette unten sich befindet.
Nr. 13. Ein schwarzer Stab auf weißem Grunde mit bunten Enden. Wir betrachten ihn dergestalt, dass das blaue und violette Ende sich oben, das rote und gelbe sich unten befindet.
Nr. 14. Die Gestalt einer Fackel, Weiß auf Schwarz.
Nr. 15. Eben dieselbe Gestalt mit Farben, wie sie durchs Prisma erscheinen.
Nr. 16. Eine Tafel halb schwarz, halb weiß, auf dem schwarzen Teile eine weiße Rundung mit gelber Einfassung, auf dem weißen Teile eine schwarze Rundung mit blauer Einfassung.

Diese Tafel erklärt sich erst in dem folgenden Stücke

Nr. 17. Eine halb weiß, halb schwarze Tafel, auf jedem Teile eine elliptische Figur mit abwechselnden Farben, in deren Mitte man noch Schwarz und Weiß erkennt.
Nr. 18. Eine gleichfalls geteilte schwarz und weiße Tafel mit völlig farbigen elliptischen Figuren. Diese beiden letzten Tafeln legt der Beobachter horizontal vor sich, dergestalt, dass der schwarze Teil sich zu seiner linken Hand befindet.
Nr. 19. Zwei Horizontallinien, von einer Vertikallinie durchkreuzt. Man kann sie horizontal, vertikal und diagonal vor das Prisma halten.
Nr. 20. Schmale weiße Streifen auf schwarzem Grunde.
Nr. 21. Schmale schwarze Streifen auf weißem Grunde. Diese beiden Tafeln werden vors Prisma gebracht, dergestalt, dass die Streifen mit der Achse des Prismas parallel laufen.
Nr. 22. Gebrochene schwarze und weiße Linien. Man kann diese Karte sowohl horizontal als vertikal und diagonal vor das Prisma bringen.
Nr. 23. Eine schwarz und weiß geteilte Tafel; auf dem schwarzen Teile ein weißes Rund, auf dem weißen ein schwarzes Rund.
Ich wünsche, dass der Beobachter, wenn die ganze Sammlung vor ihm liegt, diese Nummer an die Stelle von Nr. 16 und diese hierher lege; denn das ist eigentlich die Ordnung, wie sie gehören. Es versteht sich aber, dass die Nummern selbst nicht verändert werden, weil die gegenwärtige Tafel in meinem Vortrage auch als Nr. 23 aufgeführt ist.
Nr. 24. Auf einer weißen Tafel zwei Vierecke, eins mit geraden, das andere mit gebogenen Seiten.
Nr. 25. Auf einer weißen Tafel in der Mitte ein schwarzer Streif, auf der einen Seite viele Punkte um ein Zentrum, auf der andern eine Zirkelfigur mit einem Kreuze und Punkten.
Nr. 26. Linearzeichnungen mit Buchstaben.
Nr. 27. Auf einem schwarzen Grunde zwei weiße Triangel, mit den Spitzen gegeneinander gekehrt, mit bunten Rändern.

Die Sorgfalt, womit ich die Tafeln hier abermals durchgegangen, ist, wie ich überzeugt bin, nur für den Anfang nötig. Man wird sich gar bald in diese Tafeln auch ohne Nummern finden und sie ohne Anweisung gebrauchen lernen, da bei allen diesen Versuchen ein ganz einfaches Prinzipium nur auf verschiedene Weise angewendet wird.

*Laut 86 sollten die zuletzt angeführten Karten Nr. 16, 24-27 erst »in den folgenden Stücken« nötig werden. Goethe kam aber nicht mehr auf sie zurück. Während Nr. 16 sich offenbar auf die bei chromatischen Konvex- und Konkavlinsen sich zeigenden Farbränder bezieht, ist wohl bei Nr. 27 die Entstehung solcher Farbränder in fortschreitender Folge veranschaulicht. Denkt man sich links des Doppelkeils, der als Vertikalschnitt eines räumlichen Gebildes aufgefaßt werden muß, eine (nicht achromatisch gemachte) Linse, welche das Sonnenlicht auffängt, so wird dieses durch die Linse kegelförmig verengt, wobei sich an den Rändern rot-gelbe Säume (dunkel über hell) bilden. Sobald die Spitze des Doppelkegels erreicht ist, kehrt sich jedoch der Prozeß um: der Lichtkegel weitet sich jetzt wieder aus, diesmal mit blau-violetten Säumen (hell über dunkel); Goethes Anschauung über die polare Gestalt des Urphänomens wird dabei nochmals besonders deutlich. - Bei den anderen drei Karten kann nichts Genaues über ihre Verwendung gesagt werden (Hrsg.).