- Goethes Farbenlehre.
- zur Farbenlehre (1810).
- Enthüllung der Theorie Newtons.
- Einleitung.
- Zwischenrede.
- Erste Proposition. Erstes Theorem.
- Zweite Proposition. Zweites Theorem.
- Rekapitulation der ersten acht Versuche.
- Dritte Proposition. Drittes Theorem.
- Newtons Rekapitulation der ersten zehn Versuche.
- Übersicht des Nachfolgenden.
- Vierte Proposition. Erstes Problem.
- Fünfte Proposition. Viertes Theorem.
- Sechste Proposition. Fünftes Theorem.
- Siebente Proposition. Sechstes Theorem.
- Achte Proposition. Zweites Problem.
- Zweiter Teil.
- Erste Proposition. Erstes Theorem(2).
- Zweite Proposition. Zweites Theorem (2).
- Dritte Proposition. Erstes Problem.
- Vierte Proposition. Drittes Theorem.
- Fünfte Proposition Viertes Theorem (2).
- Sechste Proposition. Zweites Problem.
- Siebente Proposition. Fünftes Theorem.
- Achte Proposition. Drittes Problem.
- Neunte Proposition. Viertes Problem.
- Zehnte Proposition. Fünftes Problem.
- Elfte Proposition. Sechstes Problem.
- Abschluss.
- Tafeln.
- Statt eines Nachwortes.
- Historischer Teil.
- weitere Texte Goethes zur Farbenlehre.
- Texte zur Farbenlehre Goethes.
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Sechste Proposition. Zweites Problem
In einer Mischung von ursprünglichen Farben, bei gegebener Quantität und Qualität einer jeden , die Farbe der zusammengesetzten zu bestimmen.
592.
Dass ein Farbenschema sich bequem in einen Kreis einschließen lasse, daran zweifelt wohl niemand, und die erste Figur unserer ersten Tafel zeigt solches auf eine Weise, welche wir für die vorteilhafteste hielten. Newton nimmt sich hier dasselbige vor; aber wie geht er zu Werke? Das flammenartig vorschreitende, bekannte Spektrum soll in einen Kreis gebogen und die Räume, welche die Farben an der Peripherie einnehmen, sollen nach jenen Tonmaßen bestimmt werden, welche Newton in dem Spektrum gefunden haben will.
593.
Allein hier zeigt sich eine neue Unbequemlichkeit; denn zwischen seinem Violetten und Orange, in dem alle Stufen von Rot angegeben werden müssen, ist er genötigt, das reine Rot, das ihm in seinem Spektrum fehlt, in seinen Urfarbenkreis mit einzuschalten. Es bedarf freilich nur einer kleinen Wendung nach seiner Art, um auch dieses Rot zu interkalieren, einzuschwärzen, wie er es früher mit dem Grünen und Weißen getan. Nun sollen centra gravitatis gefunden, kleine Zirkelchen in gewissen Proportionen beschrieben, Linien gezogen und so auf diejenige Farbe gedeutet werden, welche aus der Mischung mehrerer gegebenen entspringt.
594.
Wir müssen einem jeden Leser überlassen, diese neue Quäkelei bei dem Verfasser selbst zu studieren. Wir halten uns dabei nicht auf, weil uns nur zu deutlich ist, dass die Raumeinteilung der Farben um gedachten Kreis nicht naturgemäß sei, indem keine Vergleichung des Spektrums mit den Tonintervallen stattfindet; wie denn auch die einander entgegenstehenden, sich fordernden Farben aus dem Newtonischen Kreise keineswegs entwickelt werden können. Übrigens, nachdem er genug gemessen und gebuchstabt, sagt er ja selbst: »Diese Regel finde ich genau genug für die Praktik, obgleich nicht mathematisch vollkommen.« Für die Ausübung hat dieses Schema und die Operation an demselben nicht den mindesten Nutzen, und wie wollte es ihn haben, da ihm nichts theoretisch Wahres zum Grunde liegt!
